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Almudena Grandes – Der Feind meines Vaters

Januar 31st, 2013  |  Published in Allgemein, Buchtipp, Buchtipp_2012

Wir befinden uns in der Zeit in Südspanien kurz nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem Unrechtsregime von General Franco. Der Autorin gelingt es in ihrem neuen Roman, ein der Realität entliehenes Sittengemälde der spanischen Gesellschaft unter Francos Regime vollständig darzustellen.

Nico, Sohn eines Polizisten in Francos Guardia Civil wächst in einem kleinen Dorf auf, in dem Verrat, Denunziation, Angst und Folter herrscht. Der Widerstand lebt entweder in den Bergen oder im Gefängnis.

Er ist der Erzähler. Sein Leben spielt sich zwischen der Kaserne, in der er mit seiner Familie lebt, und den Ausläufern der Berge ab. Zwischen der Welt des Regimes und der Halbwelt der Guerilla. Seine ganze Bewunderung gilt einem geheimnisvollen, gesichtslosen Partisanen, über den im Dorf viel gemunkelt, aber nichts richtig bekannt ist. Dessen Lebenszeichen sind Geldscheine, die er mit «So zahlt Cencerro» unterschreibt. Für Nino ist er der mächtigste, schlaueste und mutigste aller Männer, weil weder Guardia Civil noch das Militär mit ihm fertigwerden.

Ein alter Freund der Autorin habe ihr von seinem Leben als Sohn eines Polizisten erzählt. Auch von dem überheblichen Cencerro, seinem Mut, seinen signierten Geldscheinen und seinem heldenhaften Tod. Grandes begann das Leben des Widerstandskämpfers zu erforschen und aufzuschreiben.

Sie schafft auch fiktive Charaktere, z.B. Ninos erwachsener Kumpel Pepe, der Portugiese, und Doña Elena, Ninos Nachhilfelehrerin. Beide wecken das Interesse des Kleinen an den Abenteuerromanen von Jules Verne und Robert Louis Stevenson. Wer liest, wird neugierig, und wer neugierig ist, wird schlau. Mit dem Jungen hat Grandes eine wunderbare Figur geschaffen, die der Leser nach wenigen Seiten liebt.

Hinreißend: Ninos erste Annäherung an ein Mädchen. «Ich legte mir die Hand auf die Wange, als könnte ich den Kuss so auf meiner Haut lebendig erhalten, und als ich begann, den Hang hinunterzugehen, spürte ich seine Wärme und den Druck dieser Lippen.»

Nino sagt einmal über die Erzählungen seiner Lehrerin Doña Elena: «Zuerst erschienen sie groß, doch in Wirklichkeit waren sie klein, weil sie immer nur ein Teil einer noch größeren Geschichte waren, einer unendlichen Geschichte.» Und so ist auch bei Grandes: In «Der Feind meines Vaters» steckt das Große im Kleinen. (Barbara Ter-Nedden)

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