Parkbuchhandlung

Anna Katharina Hahn – Schwarzer Berg

April 1st, 2012  |  Published in Allgemein, Buchtipp

„Am Schwarzen Berg“ – dies ist die Straße eines Dorf am Rande von Stuttgart, hier wohnen zwei Paare. Emil und Veronika sind um die 60, ungewollt kinderlos und kümmerten sich früher intensiv um Peter, den Sohn der Nachbarn. Peters Eltern sind Hajo und Carla. Hajo ist Arzt und arbeitet hart, Carla hilft in der Praxis, war früher zu Hause und hat sich um Peter gekümmert. Nun ist Peter erwachsen und, wie es scheint, gescheitert. Verlassen von seiner Frau, die die gemeinsamen Kinder mitgenommen hat, ist er wieder zu Hause eingezogen und in einem so erbärmlichen Zustand, dass Hajo einen Behandlungsplan inklusive Antidepressiva verordnet. Kaum ansprechbar und apathisch vegetiert Peter ungewaschen in seinem Kinderzimmer.

Alle vier Erwachsenen machen sich, jeder auf seine Weise, Sorgen. Aus wechselnden Perspektiven werden Erinnerungsstücke aus Peters Kindheit und gemeinsame Erlebnisse erzählt. Emil und Peter gingen zusammen auf die Jagd nach alten Manuskriptseiten Mörikes*, Veronika beschreibt Rituale, die sie und Peter verbanden. Doch es geht nicht nur um Erinnerungen, sondern auch um die gegenwärtige Lebenssituation in die sich die Figuren als Einzelpersonen und Paarkonstellationen gebracht haben. Veronika und Emil trinken zu viel, sind sich nahe und gleichzeitig weit voneinander entfernt. Hajo und Carla hingegen scheinen das perfekte Vorstadtpaar zu sein, nur leider haben sie einen „missratenen“ Sohn. Denn Peter protestiert lieber mit seinen Kindern zeltend für die Rettung der Bäume im Park und gegen den Bau von Stuttgart 21, als etwas für die Bildung der Kinder zu tun, ihnen vorzulesen und sie zum Vorschulenglisch zu fahren. Das sähe auch Mia, Peters Frau und Mutter seiner Kinder, lieber. Mia, Kind einer alleinerziehenden Putzfrau, will mehr vom Leben und sah in Peter, dem Arztsohn ein Potential, ihr Leben zu verbessern, zusammen gut und zu leben und gesellschaftlichen Erfolg zu haben. Peter kann und will sich aber nicht angepasst verhalten. Wie die Figuren darauf reagieren von Peters Kindheit bis zur Trennungssituation, das beschreibt Anna Katharina Hahn sehr einfühlsam und gekonnt. An Peter kristallisieren und brechen sich die Figuren, alle unterscheidet sie etwas von Peter, er fasziniert und empört sie.

Es passiert eigentlich nicht viel in diesem Buch, das für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert ist. Warum ist es trotzdem empfehlenswert? Die Charakterstudien sind vorzüglich. Hauptsächlich wird aus Emils Perspektive erzählt, aber auch Veronika und Mia kommen zu Wort. Die Portraits, die Anna Katharina Hahn zeichnet sind präzise, hart, aber ehrlich und respektvoll. Nie verachtet sie ihre Figuren oder stigmatisiert sie. Wer solche Portraits mag, hat knapp 250 bestens erzählte Seiten vor sich.

*Der Titel des Buches „Am Schwarzen Berg“ ist auch die erste Zeile des Gedichts „Die Elemente“ von Mörike. Der Dichter spielt am Rande immer wieder eine Rolle im Buch. (Nina Nafé)

 

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