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Claire Keegan – Das dritte Licht

April 19th, 2013  |  Published in Allgemein, Buchtipp

Claire Keegan, irische Autorin, ist in Deutschland nahezu unbekannt. Dem Steidel Verlag sei gedankt für diese gelungene Übersetzungsleistung und dem Versuch, diese Autorin bei uns einzuführen. Denn leicht ist es sicher nicht, diesen Roman ins Deutsche zu übertagen, bei dem die Pausen und Zwischentöne so bedeutsam sind.

Das Schweigen ist in der hundert Seiten langen Erzählung ein wichtiges Thema. Ein kleines Schulmädchen wird von den Eltern in den Ferien zu Verwandten gebracht, die kinderlos eine kleine aber gut gehende Landwirtschaft betreiben. Der Vater des Mädchens ist ein Trinker und Spieler, die Mutter schon wieder schwanger, genug Kinder sind bereits da. Da ist es eine Erleichterung, wenn die Älteste mal eine Weile weg ist. Am liebsten eigentlich für immer, so hat es das Mädchen einem Gespräch der Eltern vor der Abreise abgelauscht. Für Liebe ist wenig Platz und Kraft übrig in diesem Haushalt.

Der Vater bringt es zu den Pflegeeltern, dem Ehepaar Kinsella. Das Mädchen spricht hre Pflegemutter bis zum Schluss mit „Sie“ an und die Erzählerin – das erwachsene Mädchen, das aus der Rückschau erzählt, aber, und das ist wichtig, durchgängig im Präsens – sie immer nur „die Frau“ nennen wird. Der Mann wird dagegen beim Familiennamen genannt: „Kinsella kommt herein, macht uns allen Tee und trinkt seinen im Stehen, dazu isst er eine Handvoll Kekse, dann geht er wieder hinaus.“

Das Mädchen hilft im Haushalt und holt täglich die Post aus dem Briefkasten am Ende der Auffahrt zum Haus. Es darf baden, und zwar in schönem heißem Wasser, das nicht vor ihr schon andere zum Baden benutzt haben, wie sie es von zu Hause gewohnt ist. Die Eltern haben zwar vergessen, ihr Kleidung mitzugeben, aber auch Kinderkleidung gibt es merkwürdigerweise hier im Haus, gebraucht, aber passend gemacht. Kurz: Das Mädchen wird aus seiner leichten häuslichen Verwahrlosung herausgeholt und verlebt einen wunderbaren Sommer bei den Kinsellas.

Die „Frau“ und das wird am Anfang klar, möchte keine Geheimnisse, keine Scham. Ihre Reaktion auf eine unschuldige Äußerung des Mädchens macht dem Leser sofort klar, dass es ein Geheimnis in diesem Haus gibt. Die Kinsellas hatten einen Jungen, der in einer Jauchegrube ertrunken ist. Das darf hier verraten werden, weil dies eben nicht das skandalöse, tragische Zentrum des Buches ist.

Die Erzählung sucht keine sensationellen Effekte. Alles: die Verwahrlosung des Kindes, das Unglück der Pflegeeltern werden so sprarsam wie möglich in wenigen Worten erzählt. Es gibt keine dramatischen Szenen als das Kind wieder nach Hause soll. Aber es ist herzzerreißend, wenn die kleine erzählt wie der Pflegvater sie an die Hand nimmt und sich ihr die Unterschiede mit ihrem eigenen Zuhause klar werden: „Kinsella nimmt meine Hand in seine. Ich merke, dass mein Vater kein einziges Mal meine Hand gehalten hat, und ein Teil von mir will, dass Kinsella mich loslässt, damit dieses Gefühl vergeht. Es ist ein hartes Gefühl, aber als wir weitergehen, beruhige ich mich und lasse den Unterschied zwischen meinem Leben zu Hause und dem, das ich hier führe, auf sich beruhen.“

Ein kleines Kunstwerk, das sie lesen und so oft als möglich verschenken sollten, damit diese großartige und von Kennern hochgelobte Autorin auch bei uns bekannt wird. (Barbara Ter-Nedden)

 

 

 

 

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