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Edward Lewis Wallant – Der Pfandleiher

März 9th, 2016  |  Published in Allgemein, Buchtipp

DerPfandleiherDer amerikanische Autor Edward Lewis Wallant, der mit 36 Jahren plötzlich an einem Hirnschlag verstarb, hat nur drei Romane schreiben können. Sein zweiter Roman "Der Pfandleiher" erschien 1961 und wurde erst jetzt im Berlin Verlag auf deutsch übersetzt und herausgegeben. Die Wiederentdeckung eines großartigen Romans mit atemberaubenden Charakterstudien und mit eine einmalige Darstellung des Holocausts.

Wenn man den Title liest, kann man nicht anders als an Dostojewski Pfandleiherin denken, die Raskolnikow bestielt und umbringt. Bei Wallant geht es um den jüdischen Pfandleiher Sol Nazerman. Er ist ein Dulder, der im August 1958 im New Yorker Stadtteil Harlem lebt, aber mit der Welt abgeschlossen hat. Erst 45 Jahre alt wird er beschrieben wie ein uralter Mensch, der gefühllos und Stumpf gegenüber seinen Mitmenschen nur seine Ruhe haben möchte. Durch seine Alp-Träume erfährt der Leser von seiner dramatischen Vergangenheit: Während des Holocaust hat er seine Frau und seine Kinder verloren, seine ganze Familie und seine Existenz als Intellektueller. Nun führt er die Geschäfte eines Pfandhauses im Namen eines Mafioso, der mit dem Laden Geldwäsche betreibt. Alle um ihn herum die Familie seiner Schwester, seine jüdische Geliebte und seine Kunden hassen ihn wegen seiner Gefühllosigkeit. Doch sind sie auf sein Wohlwollen angewiesen. Er hält sie aus.
Wallant beschreibt dieses Pfandhaus als Kosmos für die Darstellung unterschiedlichster Menschen, die im Vergleich zu Sol am Leben hängen, Wünsche und Begerlichkeiten haben. Er kontrastiert den häßlichen Sol, der mit dicker Brille, teigigem fahlem Gesicht, ungeschlachtem Körper ein Gegenstück bildet zu seinem Helfer Jesus Ortiz, ein schwarzer Junge mit frischem Teint, fröhlichen Augen und einem grazilem Gang.
Dieser plant ihn am Ende zusammen mit drei Kleinkriminellen zu überfallen und ihn auszurauben. Doch als einer der Kriminellen eine Waffe zieht und auf Sol richtet, wirft er sich dazwischen und stirbt. Erst jetzt löst Sol sich aus seiner Erstarrung, als über­ra­schen­derweise ein anderer Mensch sein Leben für so wertvoll hält, dass er seines dafür opfert.

Edward Lewis Wallant ist ein wirklich bedeutender Autor. Wie er den alltäglichen Irrsinn der Menschen be­schreibt, die Bilder aus dem KZ immer wieder aufscheinen lässt, wie er die Spätfolgen und die nie endende Trauer eines zerstörten Menschen in Worte und Bilder fasst, zeugt von großer literarischer Kunst. Sein Buch zeugt von Melancholie und Gefasstheit und es ist eingentlich nicht zu fassen, daß solch ein Roman erst jetzt auf Deutsch zu lesen ist. (Barbara Ter-Nedden)

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