Parkbuchhandlung

Fr. 24.02. ::: »Polnisch Poetisch« – Polnische Lyrik und die Klaviersonaten von Witold Lutoslawski und Franz Schubert

Januar 26th, 2017  |  Published in Allgemein, Veranstaltung

Murat»Polnisch Poetisch« – Die jungen Musiker aus Hannover Moritz Ter-Nedden (Violine), und Alexander Vorontsov (Klavier) haben sich zwei interessante Sonaten für diesen Abend ausgewählt. Während Witold Lutoslawski die Partita für Violine und Klavier eher am Ende seines Schaffens komponierte, ist die Sonate A-Dur von Schubert ein Frühwerk, mit dem er sich von den Vorbildern Mozart und Beethoven in Wien absetzen wollte. Die beiden Musiker werden beide Sonaten kurz erläutern. Der Abend ist außerdem der polnischen Lyrik gewidmet, die von dem Schauspieler Thomas Krause rezitiert wird. Im Zentrum stehen die Gedichte von Zbigniew Herbert, 1924-1998, Wislawa Szymborska, 1923-2012, Adam Zagajewski, 1945. Dr. Robert Wittbrodt wird in die polnische Lyrik einführen.

Zu den Werken:

Der 1913 in großbürgerlichen Verhältnissen in Warschau geborene und im 1994 verstorbene Witold Lutoslawski gilt heute – neben C. Penderecki – als der bedeutendste polnische Komponist des 20. Jahrhunderts. Während sich die frühen Kompositionen stark an die Vorbilder Strawinsky und Bartók anlehnen, folkloristisches Material verwenden und bearbeiten, treten Mitte der fünfziger Jahre die Einflüsse der westlichen Avantgarde in seinem Schaffen in den Vordergrund. Trotz serieller, aleatorischer und punktueller Einflüsse bleibt seinen Kompositionen aber immer das erhalten, was Ulrich Dibelius bewundernd den Sinn für das »dramaturgisch gesteuerte, einprägsame Gesamtgebilde« nennt, das dem Werk »die Anschaulichkeit einer Plastik« verleiht. Die Originalfassung der Violinpartita entstand 1984 im Auftrag des Geigers Pichas Zuckermann, der sie 1985 in den USA aufführte. 1988 dedizierte Lutoslawski Anne-Sofie Mutter das Orchesterarrangement, das die deutsche Geigerin unter seiner Leitung höchst erfolgreich konzertant aufführte. In der Partita verbinden sich neobarocke Tendenzen mit aleatorischen, das heißt Klavier und Violine spielen bewußt unabhängig voneinander.

Franz Schuberts A-Dur-Sonate von 1817 war für ihn eine Grande Sonate, mit der sich der 20-jährige vom früheren Vorbild Mozart lösen und den Anschluss an die großen Sonaten Beethovens und Hummels erreichen wollte. Nicht zufällig arbeitete er im Sommer 1817 zeitgleich an einem Zyklus großer Klaviersonaten. Der Impuls zur Grande Sonate ging vom Klavier aus, das dem Genre neue Klangräume erschloss. Die Ausweitung der Form in den vier Sätzen der Sonate hängt eng mit dieser neuen Rolle des Klaviers zusammen. Dem Hauptthema wird ein ostinater Klanggrund in der tiefen Klavierlage vorgeblendet, von dem sich die Kantilene der Violine in hoher Lage abhebt. Die zwanglose Antithese suggeriert zwei verschiedene Klangwelten, die sich auf geheimnisvolle Weise durchdringen. Die Themen kreisen um volkstümliche Wendungen und bezeugen damit den vom Lied geprägten, romantischen Einschlag.

Zu den Autoren

Zbigniew Herbert, geboren 1924 in Lemberg, erlebte als Schüler die sowjetische, dann die deutsche Okkupation und schloss sich 1943 dem polnischen Widerstand an. Seit 1956 veröffentlichte er Gedichte und Essays. Jahrelang bereiste er Italien, Frankreich und Griechenland. Herbert, der 1998 in Warschau starb, zählt zu den großen europäischen Dichtern des 20. Jahrhunderts. Er hat Lyrik nie als bloße Wortkunst verstanden. Von der »nackten Poesie«, den kargen Versen des Debütbandes Lichtsaite (1956), bis zum Bericht über eine belagerte Stadt (1983) spricht er von der Zerbrechlichkeit des Menschen und der Übermacht einer gewaltverfallenen Geschichte. Doch nicht die Klage bestimmt den Ton, denn Herbert verfügt über eine Vielzahl von Tonlagen und Formen, vom ironischen Epigramm bis zum erzählenden Poem. Unter den Gestalten, die in seinen Rollengedichten auftreten, ist auch »Herr Cogito«, ein Verwandter von Valérys »Monsieur Teste«, der sich auf die Kunst versteht, Schmerz und Ratio miteinander zu verschmelzen.

Wislawa Szymborska wurde am 2. Juli 1923 in Bnin (heute Kórnik, Polen) geboren. Sie zählt zu den bedeutendsten polnischen Autorinnen ihrer Generation und wurde 1996 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. In Deutschland sind ihre Werke zumeist in der Übersetzung von Karl Dedecius erschienen. Szymborska verstarb am 1. Februar 2012 in Krakau. In den 1980er Jahren engagierte sich Szymborska im oppositionellen Untergrund der Solidarnosc und arbeitete für verschiedene Zeitschriften, darunter die in Paris erscheinende Exilzeitschrift »Kultura«.
Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem 1991 mit dem Goethe-Preis der Stadt Frankfurt und 1995 mit dem Herder-Preis. 1996 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur. Die Jury lobte »ihr Werk, das ironisch-präzise den historischen und biologischen Zusammenhang in Fragmenten menschlicher Wirklichkeit hervortreten lässt.« Karl Dedecius, der viele Werke von Szymborska übersetzte, sagte über sie: »Ihr Denken ist sehr kompliziert, ihre Sprache sehr einfach.«

———————————————-

Termin: Freitag, 24.02.2017 19.30 Uhr
Ort: Parkbuchhandlung

Eintritt: 12€
Reservierung: In der Buchhandlung oder unter 0228 352191.

Comments are closed.


Besuchen Sie uns!
Montag bis Freitag von 9.00 - 19.00 Uhr
Samstag von 9.00 - 16.00 Uhr

Koblenzer Str. 57
53173 Bad Godesberg
Wo finde ich die Buchhandlung?

Kontaktieren Sie uns!
Telefon: 0228 35 21 91
Fax: 0228 35 90 21
Email: info[at]parkbuchhandlung.de
Hier gehts zum Kontaktformular.
Online Bücher bestellen.

Finden Sie uns auf Facebook!