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Hanya Yanagihara – Ein wenig Leben

Februar 4th, 2017  |  Published in Allgemein, Buchtipp

Lesevergügen zwischen Lachen und Weinen – Noch kein Roman hat mit mir gemacht, was dieser Roman tat:

Wie üblich nahm ich einige Vorabdrucke von Büchern mit in die Weihnachtstage. Mit dem Dicksten habe ich als erstes begonnen. Mein Vorsatz war, vielleicht 100 Seiten zu lesen, um einen Eindruck von dem Buch zu bekommen. Sie wissen, wir Buchhändler erwarten zu Beginn jeden Jahres täglich Vertreter, mit denen wir unser Frühjahrsprogramm besprechen. Da empfiehlt es sich, in die zahlreichen Leseexemplare zu sehen. Allerdings konnte ich dieses Jahr nur jenes eine Buch mit 1000 Seiten lesen, weil es mich nicht mehr los lies. Ich "mußte" es nicht nur zu Ende lesen, sondern spürte unausgesetzt den Drang auch darüber zu sprechen, die Geschichte zu erzählen. Es hielt mich in seinen Fängen, machte mich fassungslos. Ich schwankte zwischen der Ansicht, ein erzählerisches Meisterwerk oder eine große Kitschblase in Händen zu halten. Ich spreche von dem ersten ins Deutsche übersetzen Roman von Hanya Yanagihara "Ein wenig Leben". Er ist gerade bei Hanser Berlin erschienen.

Es wird von 4 jungen Männern erzählt, die zusammen auf dem College waren und seither unzertrennlich sind, sich auch später nicht mehr aus den Augen verlieren. Sie leben zu Beginn des Buches in New York in den Startlöchern zum großen Erfolg. Wir erleben, wie die Vier sich regelmäßig treffen, auf Parties gehen, sich über Kunst unterhalten und über das sprechen, was Hippster bewegt. Bis auf Jude, der von sich nichts erzählt. Es umgibt ihn ein Geheimnis. Sie schätzen ihn alle, wenn sie ihn nicht sogar lieben, aber er selbst kann diese Zuneigung nicht annehmen. Der Leser – nicht seine Freunde – erfährt, dass der junge Mann Schreckliches erlebt hat und er nur leben kann, in dem er sich auf alle erdenkliche Art und Weise verletzt. Wir wissen es lange nicht im Buch, erst im letzten Drittel wird uns sein ganzer Lebenweg vom fühkindlichen Alter in einer kirchlichen Fürsorgeeinrichtung bis zu seinem Tod mit Mitte fünzig und darüber hinaus offenbart.

Am Ende war ich der Meinung, daß ein Text, der mich erfahrene Leserin in dieser Weise fesselt, gefangenhält und in einen emotionalen Rausch versetzt, nicht schlecht sein kann. Es spricht für eine außergewöhnlich Erzählstimme, und für eine Geschichte, die alles bisher gelesene in den Schatten stellt.

In den letzten Wochen wurde meine Ansicht von allen wichtigen Rezensenden bekräftigt. So vergleicht Andreas Platthaus, Rezensent der FAZ, diesen Roman mit dem eines Tom Wolfe, James Joyce und Don DeLilo. Wenn das kein Prädikat für den Roman von Hanya Yanagihara ist… (Barbara Ter-Nedden)

 

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