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James Meek – Liebe und andere Parasiten

August 20th, 2013  |  Published in Allgemein, Buchtipp

Der große Gesellschaftsroman unserer Zeit titelt die Deutsche Verlagsanstalt zum neuen Buch des englischen Autors James Meek. Nun wird dem aufmerksamen Buchkäufer auffallen, dass -den Ankündigungen der Verlage nach- jede Buchsaison eine Vielzahl großer Gesellschaftsromane entstehen. Welche Eigenschaften muss ein Roman also haben, um derartige Bezeichnung zu verdienen?

Allgemein könnte man sagen, ein Gesellschaftsroman muss das Leben, die Konflikte der Gesellschaft schildern, in der Regel kritisch und im mit vielen Handlungssträngen. James Meek macht genau das! Liebe und andere Parasiten ist ein „moralischer Thriller“ wie die englische Presse schreibt. Er handelt von Familienbande und Verrat, von Genen und dem was wir Erben, von Sex und Verantwortung in einer liberalen und post-religiösen Gesellschaft.

Im Zentrum der Geschichte steht dabei eine englische Familie: Ritchie Shepherd, ehemaliger Frontsänger einer Rockband ist inzwischen Familienvater und Leiter einer Fernseh-Talentshow für Teenager. Als er mit einer minderjährigen Teilnehmerin seiner Show ein Verhältnis eingeht beginnt ein Konflikt, der sich durch den ganzen Plot zieht. Seine Schwester Bec ist eine attraktive und engagierte Malariaforscherin. Als Bec sich von ihrem Verlobten Val Oatman, einem moralistischen und streng gläubigen Journalisten trennt, schwört dieser Rache.

Um die Familie Shepherd baut Meek ein umfangreiches Personentheater auf, dass aus meiner Sicht vor allem durch den Konflikt zwischen atheistischen aber wissenschaftsgläubigen Naturwissenschaftlern und auf der anderen Seite religiösen Moralisten geprägt ist. Liebe und andere Parasiten stellt die zeitlose Frage nach dem richtigen Handeln und Leben im Kontext religiöser Moral oder eben im Kontext fehlender religiöser Moral.

Ich musste bei der Lektüre immer wieder an dern englischen Biologen Richard Dawkins denken, der als glühender Atheist den kritisierten religiösen Fundamentalisten zunehmend ähnlicher wird. Erschafft die Entzauberung der Welt durch den wissenschaftichen Fortschritt eine Sehnsucht nach einfachen moralistischen Weltbildern? Und lässt uns vielleicht grade die Überhöhung wissenschaftlicher Welterklärungen wieder abergläubisch werden?

Liebe und andere Parasiten ist für mich in der Tat ein großer englischer Gesellschaftsroman. Vom Stil vergleichbar mit Jonathan Franzens Freiheit, vor allem durch den sezierenden mitunter zynischen Blick auf gesellschaftliche Konflikte. Auf 552 Seiten kommt Meek zwar nicht ganz ohne Redundanzen aus, doch wer keine Angst vor dicken Büchern hat ist hier bestens aufgehoben. Absolut lesenswert! (Felix Ter-Nedden)

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