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Lily King – Euphoria

August 21st, 2015  |  Published in Allgemein, Buchtipp

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Schon immer habe ich Menschen bewundert, die andere Völker und ihre Besonderheiten studiert haben. In dem neuen Roman der amerikanischen Autorin Lily King »Euphoria«, der das Leben und Forschen der Ethnologin Margaret Mead als Grundlage nimmt, taucht der Leser tief in die Welt von Feldforschungen in Neuguinea ein. Das Ethnologen-Ehepaar Nell Stone und ihr zweiter Ehemann Fen sucht nach einer neuen Aufgabe und trifft den Kollegen Andrew Bankson, der ihnen einen Stamm in seiner Nähe bei Eingeborenen vermittelt.

Die Forscherarbeit der drei Ethnologen wird stark dominiert von ihrer Neugier auf die Sexualität dieser Naturvölker, von denen manche sehr aggressiv sind und manche ganz sanftmütig. Nell Stone lebt mit ihrem Mann bei verschiedenen Stämmen im Gebiet des Sepik und befragt vor allem die Frauen nach ihren Ritualen, geheimen Bräuchen und Festen. Nell und Fen Stone bewundern die Arbeit ihres Kollegen, aber Andrew Bankson ist in Wirklichkeit in einer krankhaften seelischen Verfassung und so verzweifelt, dass er die beiden händeringend herbeisehnt.

Zwischen Nell und Andrew entwickelt sich schnell eine starke Anziehung. Bankson ist fasziniert von Nell, die Krankheiten wie Malaria, Hautveränderungen oder Gicht für ihre Forschung in Kauf nimmt. Ihren Forscherdrang lebt sie ungebremst aus, auch wenn ihr Mann sie nicht unterstützt und eigene Wege geht.

Interessant dabei sind die Beweggründe der Autorin Lily King, diesen Roman »Euphoria« zu schreiben. Sie hat über Margaret Mead gelesen, die Ende 1932 mit ihrem zweiten Ehemann, Reo Fortune, in Neuguinea war. Sie wollten das Land eigentlich schon verlassen und nach Australien gehen. Dann haben sie sich in letzter Minute entschieden, einen anderen Anthropologen zu besuchen, einen Bekannten von Fortune. Das war Gregory Bateson. In ihrem Tagebuch schreibt Mead, dass sie ihn traf, sich 36 Stunden mit ihm unterhielt und sich unsterblich verliebte. Also blieben sie in Neuguinea und lebten fünf Monate lang in einer verrückten Liebes-Dreiecksbeziehung. Margaret Mead gilt bis heute als Wegbereiterin der sexuellen Revolution, da sie versuchte nachzuweisen, daß Geschlechterrollen nicht immer naturgegeben sind.

In »Euphoria« entwickelt sich die Geschichte der drei Forscher überraschend anders als in der historischen Wirklichkeit.

Ein lesenswerter wirklich gut geschriebener Roman, der den Leser mit der Arbeit von Ethnologen vertraut macht und gleichzeitig ein schöne Liebesgeschichte erzählt. Vielleicht ein Grund, sich mit Margaret Mead und ihrer Arbeit zu beschäftigen. (Barbara Ter-Nedden)

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