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Markus Gabriel – Warum es die Welt nicht gibt

Juli 2nd, 2013  |  Published in Allgemein, Sachbücher

Welche Eigenschaften muss ein Philosoph haben, um einen Bestseller zu schreiben? Dies ist zwar keine Kernfrage der Philosophie, dafür aber des Buchhandels. Markus Gabriel jedenfalls bringt zwei Voraussetzungen mit: Er ist jung (Deutschlands jüngster Philosophieprof) und attraktiv (zumindest vergleichbar attraktiv wie Richard David Precht). So wundert es erst einmal wenig, dass sein Buch es direkt in der ersten Woche auf die Spiegel-Bestsellerliste schafft (wenn auch knapp). Wer jedoch daraus auf die Qualität von Gabriels Buch schließt, der irrt. Denn wohingegen Richard David Precht sich sukzessive von den Kernthemen der Philosophie verabschiedet hat und andere Volksphilosophen lieber das eigene Profil als ihre Gedanken schärfen, übt Markus Gabriel den präzisen Umgang mit der deutschen Sprache.

„Warum es die Welt nicht gibt“ ist keine weitere Einführung in die Philosophie, sondern der Versuch eine eigene Philosophie in Grundzügen zu entwickeln. Daher hat sein Buch wenig mit den Bestsellern von Richard David Precht oder Phillip Hübl zu tun, sondern ist meiner Ansicht nach eher mit Peter Bieris „Das Handwerk der Freiheit“ zu vergleichen. Hat Letzterer sich dagegen gewehrt, die Frage nach dem Willen vollständig Neurobiologen und Kognitionswissenschaftlern zu überlassen, so macht Gabriel den Physikern umfassende Welterklärungsansprüche streitig. Natürlich nicht, indem er über Elementarteilchen streitet, jedoch genau an den Stellen wo aus den Naturwissenschaften sprachliche Aussagen über „Das Weltganze“ getroffen werden. Denn „Die Welt“ ist nicht „Das Universum“, so der Bonner Professor . „Die Welt“ gibt es nämlich gar nicht, weil „es gibt“ soviel bedeutet wie „in der Welt vorkommen“ und „Die Welt“ schließlich nicht in der Welt vorkommen kann – das wäre ein unmöglicher „Supergegenstand“. Wenn es nach dem Autor geht, gibt es „Die Welt“ zwar nicht, dafür aber alles andere und somit unendlich viele Welten, „die sich teilweise überlappen, teilweise aber in jeder Hinsicht unabhängig voneinander sind“.

Diese von mir versuchsweise dargestellte Denkart nennt er „neuen Realismus“ in Abgrenzung zum klassischen Realismus. Den „neuen Realismus“ grenzt er auch scharf vom Konstruktivismus ab, denn für ihn existieren sowohl Dinge an sich, als auch Gedanken, letztlich eben einfach alles. Dies hat natürlich große Auswirkungen auf sein Verständnis von Religion und Wissenschaft. Mit dem Begriff „Fetisch“ zeigt Gabriel, dass sich diese beiden Komplexe in seinem „Sinnfeld“ ähnlicher sind als wir meinen.

Bei aller logischen Sprachanalyse bemüht sich Gabriel – wie auch schon Peter Bieri in „Das Handwerk der Freiheit“ – um allgemein verständliche Alltagssprache, er versucht „voraussetzungsfrei lesbar“ zu bleiben. Und das gelingt ihm meiner Ansicht nach wirklich gut! Es macht Spaß seinen Gedanken zu folgen, im höchsten Maße erfrischend mal abseits von konstruktivistischen Ideen zu wandeln.

Der junge Professor lehrt Erkenntnistheorie und Philosophie der Neuzeit an der Universität Bonn, kann auf seinem Lebenslauf Gastaufenthalte in Lissabon und New York verbuchen und ist Direktor des internationalen Zentrums für Philosophie NRW. Sein erstes „populärphilosophische“ Werk überzeugt mich und man darf gespannt sein, was noch kommt.

 Wenn Sie ein philosophisches Sachbuch im Jahr lesen, dann lesen Sie dieses! (Felix Ter-Nedden)

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