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Scott Bradfield – Die Leute, die sie vorübergehen sahen

Mai 5th, 2013  |  Published in Allgemein, Buchtipp

Der amerikanische Schriftsteller Scott Bradfield hat ein gleichermaßen rätselhaftes wie bemerkenswertes Buch geschrieben. Im Orginal unter dem Titel The People Who Watched Her Pass By erschienen, ist die deutsche Übersetzung dieses Frühjahr vom österreichischen Residenz Verlag herausgegeben worden.

Scott Bradfield, der an verschiedenen Universität in Amerika und England creative writing und american literature lehrte, lässt das junge Mädchen Sal über die Welt um sie berichten. Sal -Abkürzung für Salome Erin Jensen- wird von einem Mann, der bei ihren Eltern Heißwasserboiler repariert, entführt. Wobei dies nicht umbedingt gegen ihren Willen oder mit bösen Absichten passiert, sie hat einfach einen neuen Daddy. An dieses Ereignis schließt sich eine Odysee des Mädchens an, die sie später wie folgt beschreibt:

Ich bin so weit gegangen wie ich konnte… ich hatte zweimal denselben Daddy, habe auf einem Baseballfeld geschlafen, in überfluteten Kellern und toten Autos gewacht. Ich hab den Namen von tausend Leuten gelernt und genauso schnell wieder vergessen. Ich hab Leute wegen Missbrauchs ins Gefängnis gebracht und in einem Waschsalon geschlafen, und fast hätte ich geheiratet…

Dem Leser fällt sofort auf, dass es sich um kein normales Kleinkind handeln kann. Sal ist drei Jahre alt, als sie entführt wird, hat aber das volle Bewusstsein einer weisen Greisin – eine puella senex könnte man sagen. Folglich legt sie den sezierenden Scharfsinn einer Philosophin an den Tag, dennoch bleibt ihr Bilck auf die Welt ein verträumter, leicht fantastischer. Der Text wirkt dabei an vielen Stellen komisch und absurd, wenn Sal auf diese Weise das Verhalten ihrer Umwelt analysiert. Dabei bekommt das Buch geradezu kontemplativen oder mystischen Charakter als Sal, wie auf einer Etappe ihrer Reise, mit einem altjungen Mann über das Leben nach dem Tod diskutiert:

Es gibt nichts mehr, was wir bedauern müssen, nichts mehr, worauf wir warten. Wir können uns zurücklehnen und Wasser aus einer rostigen Kelle trinken. Wir können die Käfige bewundern, die einmal Vögeln gehörten, die längst tot sind…

Scott Bradfield hat mich mit seiner poetischen Sprache begeistert! Für alle, die gerne ohne Geländer lesen, empfehle ich dringend die Lektüre seines Buches. (Felix Ter-Nedden)

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