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Thomas Mann – Der Tod in Venedig

August 19th, 2016  |  Published in Allgemein

TodinVenedig„Der Tod in Venedig“ löste nach dessen Erscheinung eine Nervenkrise bei Manns Frau Katia aus. Da der Grund dafür lieber vom Leser selbst erforscht werden sollte, nur so viel der Handlung: nach dem Auftreten eines mysteriösen Reisenden entschließt sich der von der Kunst verzehrte Schriftsteller Aschenbach zu einer Reise nach Venedig, wo er dem mit seiner Familie dort die Ferien verbringenden 14-jährigen Tadzio begegnet und der ihn trotz der dort vorhandenen Lebensbedrohung verleitet zu bleiben, was dementsprechende Folgen nach sich zieht.

Solle man in diesem Zusammenhang von Glück sprechen dürfen, so ist es ein großes Glück, dass „Der Tod in Venedig“ eine Novelle ist. Denn zu überschaubar ist die Figurenkonstellation, zu einseitig und voraussehbar die Handlung, und auch gegen Ende hin, das durchaus nicht wenig an Dramatik anbietet, bleibt die tatsächliche Spannung zumindest in ihrem sprachlichen Ausdruck eher eine gleichbleibende Linie als waghalsige Kurve, dass diese in Romanform nicht zu den populären und/oder als gut angesehen Romanen gehören würde.

Zudem ist es insofern ein Glück, dass sich so dem Leser die Möglichkeit bietet dieses Werk ohne Pause zu Ende zu lesen und somit diesen mit nichts mir bisher begegneten vergleichbaren Sog vollständig ohne die geringst Ablenkung und Unterbrechung zu erspüren. Es so zu handhaben ist jedem zu empfehlen, der der Unerklärlichkeit einer großen Faszination wirklich begegnen will. Denn das ist sie, unerklärlich, wobei es vermutlich nur zum eigenen Nachteil wäre dieser Unerklärlichkeit auf den Grund zu gehen, da man doch damit das Risiko eingehen könnte diese Faszination unwiderbringlich zu verlieren.

Der Ausdruck Manns, der einen umhüllt wie eine eigene Welt voller epischen, einen erschlagenen Wucht, Fülle und gleichzeitig blinder Leichtigkeit, ist einem schon bekannt. Doch nicht umsonst schreibt Mann selbst an Phillip Witkop: „Es erscheint, daß mir hier einmal etwas vollkommen geglückt ist (…) Es stimmt einfach Alles, es schießt zusammen, und der Kristall ist rein.“ Mit seinen Worten nämlich baut er Venedig so vor unserem Auge auf, wie die Hauptperson es sehen mag, zuerst mit einer noch vom der Sperre des Verstandes niedergerungenen Sehnsucht, der er sich schließlich widerstandslos ergibt.

Später, was man schon vorausgeahnt haben mag, bemerkt man jedoch, dass es bald nicht mehr Venedig ist, sondern Tadzio, dessen einziges Augenmerk den Worten und Blicken Aschenbachs gilt.

Letztendlich wird jedoch wohl die Sicherheit des aus autobiographischer Erlebnissen und Gefühlen speisender Meister seines Faches der wichtigste Grund bereits beschriebener Faszination sein und diese Lektüre zu einer unvergesslichen Bereicherung machen. (Antonie, 11. Klasse, Gymnasium Calvarienberg)

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