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William Boyd – Die Fotografin

April 24th, 2016  |  Published in Allgemein, Buchtipp

fotografin1Ja, ich gebe es zu, ich bin auf Wiliam Boyd hereingefallen. Ohne eine Rezension zu lesen, nahm ich mir den neuen Roman »Die Fotografin« von Boyd vor, da ich den klugen und genialen Romancier sehr schätze und einfach loslesen wollte. Nach 300 der mehr als 500 Seiten, war ich neugierig geworden und recherchierte, um näheres über diese »berühmte« Fotografin Amory Clay zu erfahren. Über diese Erzählerin, die er so wunderbar unterhaltsam und interessant sprechen läßt. Mit großem Interesse habe ich ihre Kindheit im englischen Cottage auf Barrandale Island verfolgt und ihre ersten Versuche mit der Kamera. Wie authentisch sie von dem ersten Schnappschuß erzählt, wie Vater und Mutter dargestellt werden. Sogar die schwarz-weiß Fotos von der Familie, dem Haus und den Freunden, ihren Lebens- und Berufsstationen machen die Fiktion eines wirklich gelebten Lebens plausibel. Aber es ist tatsächlich alles Fiktion, ausgedacht.

Der Reiz dieses Romans ist der muntere Plauderton, diese Erzählstimme der Hauptfigur Amory Clay. Wie sie in unsentimentaler Weise die Abgründe ihrer persönlichen Geschichte erzählt, in der auch das Weltgeschehen reflektiert und drastisch vorkommt. Alle sehr bewegenden Erfahrungen von Amory werden nüchtern erzählt, trotzdem spürt der Leser die Plessuren, die daraus resultieren.

Nach der fiktionalen Biographie wird die Engländerin Amory Clay im Jahre 1908 geboren. Sie ist sehr emanzipiert und tough, durchläuft eine Karriere als Gesellschaftsfotografin. Zunächst arbeitete sie im Dienst ihres gelieben Onkels in England als kleine Hilfs-Fotografin, dann als skandalträchtige Dokumentaristin der verruchten berliner Halbwelt und später ist sie gefragte Bildreporterin in New York, wo sie ihre große Liebe kennen lernte. Im Zweiten Weltkrieg arbeitete sie in Paris und Deutschland und schließlich heiratet sie einen Baron. Nach langer Kinderpause wird sie Kriegsfotografin in Vietnam. Boyd läßt die gealterte Amory Clay – und das ist das verführerische – selbst erzählen. Mit knapp 70 wohnt die Fotografin zurückgezogen auf einer Insel, führt Tagebuch und verliert sich dabei immer wieder in der bewegten Vergangenheit.

Fast möchte ich dieses Buch zu meinem Lieblingsbuch in diesem Frühjahr machen, wenn da nicht Jane Gardam, »Eine treue Frau« wäre – ich schwanke noch. (Barbara Ter-Nedden)

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