Unser Projekt Graphic Novel auf die Bühne vereint Literatur, Musik und Kunst und zeigt im großen Format die Illustrationen der Gebrüder Brizzi zu Miguel de Cervantes‹ Don Quijote, dem bekanntesten Klassiker der spanischen Literatur. Der Comic, der bekannte Klassiker aufgreift, richtet sich auch an jüngere Menschen und vermittelt anspruchsvolle Literatur an ein breiteres Publikum. Musikalisch wird der Abend von Mitgliedern des Treppenhausorchester und Peter Amann (Fagott) untermalt, mit Stücken von Telemann, Vivaldi und Françaix. Der ehemalige Bonner Stadtschreiber Albrecht Selge kuratiert den Abend und liest Passagen aus Miguel de Cervantes’ Roman. Schon das vierte Jahr in Folge realisieren wir dieses Format im Schauspielhaus Bonn.
Don Quijote von der ManchaDie Lektüre einer übermäßigen Menge Ritterromane verleitet den armen Hidalgo Alonso dazu, selbst den Beruf des Ritters zu ergreifen und fortan Witwen und Waisen zu beschützen. Er nennt sich Don Quijote und zieht mit seinem treuen Knappen Sancho Panza in die Welt, geleitet von seinem Durst nach Abenteuern und der Liebe zu seiner Angebeteten Dulcinea. Seien es Riesen oder Armeen, Windmühlen oder Schafherden – Don Quijote stellt sich jeder Gefahr. Mancher wird ihm dabei helfen, andere werden ihn auslachen. Doch am Ende wird hoffentlich alles gut werden…
Miguel de Cervantes zu Beginn des 17. Jahrhunderts veröffentlichter, zweiteiliger Roman »Don Quijote von der Mancha« ist in der Literaturgeschichte wegweisend. Das Meisterwerk der Erzählkunst und der Historienfiktion beschäftigt seit 300 Jahren Gelehrte und Dichter und gilt vielen als erster moderner Roman überhaupt. Durch die Gebrüder Brizzi, ihre unnachahmliche Kunst der Reduktion und ihren feinsinnigen Bleistiftstrich, dürfen wir die urkomischen und doch tragischen Abenteuer des »Ritters von der traurigen Gestalt« als opulente Graphic Novel neu entdecken.

© Glen Glover
Der Bonner Stadtschreiber 2022 Albrecht Selge ist in unterschiedlichen literarischen Gattungen zuhause und hat für jede eine eigene Sprache entwickelt. In all seinen Romanen entfaltet er mit viel Empathie und Witz das Innenleben seiner Figuren und stellt zugleich eine Distanz in der Schilderung des Rätselhaften und Widersprüchlichen her.
Sein Werk umfasst eindringliche Gesellschaftsporträts, die er sowohl in seinem Roman Fliegen als auch in der fantasievollen Road-Novel Trunkene Fahrt zeigt, um nur zwei seiner früheren Veröffentlichungen zu erwähnen. In seinem Roman Beethovn umkreist der Autor den Bonner Komponisten aus der Perspektive unterschiedlicher Figuren und beleuchtet den berühmten Sohn Bonns so von ganz neuen Seiten. 2022 stellte er seine literarische Wandelbarkeit durch den Jugendroman Luyánta – Das Jahr in der Unselben Welt, den er für seine Tochter schrieb, unter Beweis.
Aus den zahlreichen Vertonungen von Don Quijote, bietet das Treppenhausorchester Auszüge aus Georg Philipp Telemanns Don Quijote Suite dar; außerdem Antonio Vivaldis e-Moll Konzert für Fagott und Jean Françaix’ Divertissement für Fagott und Streichquintett. Im Mittelpunkt des musikalischen Programms steht das Fagott, gespielt von Peter Amann. Das tiefe Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt zeichnet sich durch seinen warmen, vielseitigen Klang aus. Es besitzt einen großen Tonumfang und eine komplexe Klappenmechanik. Ton und Form des Instruments sind leicht skurril, wie der Held aus Cervantes‹ Roman und verkörpert damit Don Quijote besonders gut.
Das Treppenausorchester arbeitet seit einigen Jahren an einem erweiterten Konzertbegriff. Mit spielerischem Forschungstrieb untersucht es die Grenzen der Live-Situation Konzert, öffnet Türen zu neuen Hörerlebnissen und unerwarteten Inhalten. Konzert als Erlebnis. Klassische Musik als Performance. Immer mit überraschenden Anbindungen an unsere Wirklichkeit.
Peter Amann, 1991 in München geboren, studierte an der Musikhochschule Köln bei Prof. Georg Klütsch. Während des Studiums war Peter Amann Mitglied der Jungen Deutschen Philharmonie. Nach befristeten Anstellungen, unter anderem bei den Augsburger Philharmonikern, den Düsseldorfer Symphonikern und Brussels Philharmonic (Flämisches Radiosinfonieorchester), wurde Peter Amann 2017 Solofagottist bei den Niederrheinischen Sinfonikern. 2019 wechselte er in gleicher Position ins Niedersächsische Staatsorchester Hannover.