Der Journalist und Schriftsteller Simon Strauss spricht mit Manfred Osten über sein erstes Sachbuch »In der Nähe« und über Demokratie im Kleinen. Das Glück eines Menschen hängt daran, in der Nähe von anderen zu sein, leben wir doch in Zeiten der Entfernung. Die politischen Lager, die großen Machtblöcke der Welt, die Stadt vom Land – alles entfernt sich voneinander. Umso wichtiger wird der Blick aus der Nähe. Wo ist im Zeichen medial befeuerter Selbstgerechtigkeit noch Gemeinschaft möglich?
Am Beispiel der ostdeutschen Kleinstadt Prenzlau erkundet Strauss, wie Gemeinschaft gelingen kann, wann sie scheitert und welche politische Bedeutung es hat, in der Nähe zu sein. Er fragt, was ein gutes Zusammenleben ausmacht und welche Kraft der gemeinsame Glaube an einen physischen Ort hat. Dabei hört er den Leuten in Prenzlau erst einmal unvoreingenommen zu - dem Pastor, »dem Migranten« und auch dem AfD-Abgeordneten.

Simon StraussSimon Strauß, geboren 1988, studierte Altertumswissenschaften und Geschichte in Basel, Poitiers und Cambridge. Er ist Mitgründer der Gruppe »Arbeit an Europa«. 2017 promovierte er an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er lebt in Berlin und der Uckermark, ist Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zuletzt erschienen von ihm Sieben Nächte (2017), Römische Tage (2019) und Zu Zweit (2023).
Manfred OstenDr. Manfred Osten wurde 1938 in Ludwigslust/Mecklenburg geboren. 1952 flüchtete er in die Bundesrepublik und studierte von 1959-64 Rechtswissenschaften, Philosophie, Musikwissenschaften und Literatur in Hamburg und München. Im Jahr 1969 trat er in den Auswärtigen Dienst mit Station in Frankreich, Kamerun, Tschad, Ungarn, Australien und Japan ein. 1993 wurde er Leiter des Osteuropa-Referats im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Von 1995 bis 2004 Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung.