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Annie Dunne von Sebastian Barry

24.00 

»Nicht immer gewinnt man sofort Zugang zu einem Buch. So erging es mir mit „Annie Dunne“ von Sebastian Barry. Erwartungsvoll las ich diesen Roman, nachdem ich von Barrys beiden letzten spektakulären Titeln „Tausend Monde“ und „Tage ohne Ende“ so begeistert war. Nach 150 Seiten legte ich ihn wieder zur Seite. Durch den Hinweis einer Freundin nahm ich den Roman dann wieder zur Hand und habe ihn mit neuen frischen Augen zu Ende gelesen – ein wirklich großer Roman. „Annie Dunne““ erschien schon 2002 auf Englisch und ist nun in deutscher Übersetzung erhältlich. Müsste ich diesen Roman mit einem Wort beschreiben, würde ich sagen unspektakulär. Es passiert wenig und trotzdem erzählt der Roman so viel über das Leben und die Menschen selbst, dass es mir fast das Herz zerrissen hat. Im ländlichen Irland wird das Porträt einer Frau mit Ecken und Kanten dargestellt, die auf einem Bauernhof bei ihrer Cousine lebt und arbeitet.

 

So alt wie das Jahrhundert, so alt ist auch Annie Dunne, die ihr Leben erzählt. Geboren in Dublin verbrachte sie ihre Kindheit im Dublin Castle, in dem ihr Vater Kommandat war. Ihr Bruder Willie fiel früh im Ersten Weltkrieg. Ihr Vater starb geistig umnachtet. Mit seinem Tod endete Annies Zeit im Dublin Castle. Spannungen innerhalb der Familie brachten es mit sich, dass Annie ausziehen musste. Unterschlupf fand sie in den Wicklows bei ihrer Cousine. Die beiden Damen teilen sich nun den Hof: Ein störrisches Pony, Hühner, ein Bett, ein Brunnen. Viel mehr ist da nicht. Und dennoch genügt Annie dieser kleine Kosmos. In jenem Sommer kommen Annies Nichte und ihr Neffe zu Besuch, ihre Eltern versuchen, sich in London eine neue Existenz aufzubauen. Dieser Besuch ist für Annie und ihre Cousine Sarah eine wunderbare Abwechslung. Die Kinder sind Hoffnung, aber auch Bedrohung zugleich: Sie sind laut und ungestüm, das kleine Mädchen wird von Albträumen geplagt, nachts wähnt sie Tiger in ihrem Zimmer und Annie beobachtet zwischen Bruder und Schwester ein erotisches Spiel, das sie bestürzt und besorgt. Wir erfahren, dass Annie an ihrer prekären Lebenssituation leidet, ebenso wie an ihrem Buckel, der sie, ihrer Ansicht nach, von Geburt an dazu bestimmt hat, eine Außenseiterin zu bleiben. Niemand wollte sie heiraten und mit ihr eine Familie gründen, aus Angst, sie könne ebenso bucklige Kinder in die Welt setzen. Sich selbst bezeichnet sich als „einsames Nichts“. Bei und mit ihrer Cousine lebt sie ein ärmliches, aber sicheres und ruhiges Leben.

 

Eine bedrohliche Veränderung. Doch dann stellen Veränderungen Annies Selbstverständnis und ihren hart erarbeiteten, zerbrechlichen Status in Frage. Als Billy Kerr, ein Tagelöhner und Dorfbewohner, beginnt ihrer Cousine Sarah den Hof zu machen. Annie ist in Panik. Eine Hochzeit würde sie wiederholt obdachlos machen. Diese Vorstellung beherrscht nunmehr ihr weiteres Leben und Denken und entfremdet sie von den Kindern und ihrer schwesterlichen Gefährtin und schließlich auch von sich selbst.

 

Dem großen irischen Erzähler Sebastian Barry gelingt es, die Verzweiflung einer Frau spürbar zu machen, die niemals Macht über ihr eigenes Leben erlangte und vom Lebensfluss in die eine oder andere Richtung getrieben wurde. „Annie Dunne” reiht sich ein in die Tradition der Romane, die sich im ländlichen Irland und England der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts abspielen, wie J. L. Carrs „Ein Monat auf dem Lande” oder die Romane von William Trevor oder Colm Toibin. In ihrem Zentrum stehen heimatlose Existenzen, denen es lediglich vergönnt ist, kurz aufzuleuchten und dann ein Leben lang in diesem einen Augenblick zu verharren, sich künftig an diesen Moment zu erinnern, um der Eintönigkeit des Alltags zu entgehen. Der Autor lässt in Annie Dunne vieles ungesagt, sowie auch Annie Dunnes Leben unvollendet bleibt in gewisser Beziehung ungelebt. „Eine Frau, die nie geküsst, nie liebkost und nie vom Begehren eines Jungen in Verlegenheit gebracht wurde.“«

 

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Kategorie: Schlagwort:

Barbara Ter-Nedden

Barbara Ter-Nedden hat ihre Liebe zu den Büchern schon frühzeitig entdeckt. Während ihres Germanistik- und Romanistikstudiums wurde diese Vorliebe zur Leidenschaft.

Zusätzliche Information

Titel

Annie Dunne

Autor

Sebastian Barry

ISBN

9783958299344

Bibliographische Angaben

Hardcover, 280 S., Steidle Verlag

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