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Auf See von Theresia Enzens­berger

24.00 

»Das Subgenre der Near Future Science Fiction ist wohl eines der am schwersten zu schreibenden und zugleich möglicherweise das mit dem größten Potenzial. Klassiker des Genres wie ›Schöne Neue Welt‹ von Aldous Huxley oder ›1984‹ von George Orwell verlegten sich zumeist auf dystopische Zukunftsentwürfe und erwiesen sich dabei in mancher Hinsicht als erschreckend prophetisch. In jüngerer Zeit finden sich in Werken der Near Future Science Fiction vor allem aktuelle soziale und politische Themen wie Klimawandel, soziale Ungleichheit oder Dynamiken und Risiken der neuen Medien – so auch in Theresia Enzensbergers Roman ›Auf See‹, der auf der Longlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises stand.
Wo andere Autor*innen wahlweise dystopische Welt-Untergangs-Szenarien malen oder aber idealistische Welt-Rettungs-Utopien entwerfen, schlägt Enzensberger in ihrem Roman einen geradezu nüchternen, bodenständigen Ton an, der weitaus differenzierter und eher in Graustufen als in Schwarz-Weiß erzählt. Denn ja, die nahe Zukunft, die sie in ›Auf See‹ zeichnet, ist alles andere als rosig, aber die Welt trotz aller sozialen Ungleichheit und Umweltkatastrophen weit davon entfernt, dem Untergang geweiht zu sein.
Das visionäre Konzept der Seestatt, Heimat der Protagonistin Yada, hat seinen einstigen Glanz verloren und ist quasi auf dem Boden der Tatsachen angekommen – nämlich dass die Utopie von der autarken künstlichen Insel eben doch nicht so einfach umzusetzen ist, wie erhofft, und Menschen eben am Ende doch nur Menschen sind, mit all ihren Fehlern und Unzulänglichkeiten.
Ehrgeizige, ja, teilweise größenwahnsinnige und letztendlich zum Scheitern verurteilte Projekte dieser Art begegnen uns auch in den als ›Archiv‹ überschriebenen Zwischensequenzen, in denen Enzensberger ganz reale Geschichten – vom Poyais-Betrug bis Scientology – in unterhaltsam-informativem Ton beschreibt.
Den Quasi-Gegenentwurf zu Yadas abgeschottetem Leben auf der vermeintlich utopischen Seestatt bildet der Erzählstrang rund um die etwas eigenwillige Künstlerin Helena, die durch ein aus dem Ruder gelaufenes experimentelles Projekt plötzlich – befeuert durch die Sozialen Medien – zum Online-Orakel und Guru einer Sekte avanciert ist.
Mit diesen zwei ungleichen Figuren führt Enzensberger uns beim Lesen durch eine fatalistische und doch zugleich seltsam hoffnungsvolle Vision unserer Gesellschaft in der Zukunft, wo Zeltstädte im Berliner Tiergarten Seite an Seite mit performativen Kunstprojekten und reichen Investoren stehen, eine Vision, deren Ambivalenz manchmal nur schwer zu ertragen ist, gerade weil die Near Future am Ende eben doch recht nah ist.«

 

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Kategorie: Schlagwort:

Laura

... liest am liebsten Krimis und phantastische Romane, insbesondere, wenn sie sich jenseits gängiger Genre-Konventionen bewegen.

Zusätzliche Information

Titel

Auf See

Autor

Theresia Enzensberger

ISBN

978-3-446-27397-9

Bibliographische Angaben

Hardcover, 269 S., Carl Hanser

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