Zusätzliche Information
| Titel | Mein Freund Rilke |
|---|---|
| Autor | Melanie Garanin |
| ISBN | 978-3-551-75780-7 |
| Bibliographische Angaben | Gebunden, 192 S., Carlsen Verlag |
26.00 €
In "Mein Freund Rilke" hat die deutsche Illustratorin Melanie Garanin kunstvoll biografische Erzählung und fiktive Gegenwartsgeschichte miteinander verschränkt. Auf zwei Zeitebenen entfaltet sie ein poetisches Miteinander zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen dem historischen Dichter Rainer Maria Rilke und der fiktiven Journalistin Ellen.
Ellen soll für eine Zeitschrift einen Artikel über Rilke schreiben, doch sie kennt weder seine Texte, noch hat sie sich für ihn jemals interessiert. Aus dieser Distanz entsteht eine Annäherung. Je tiefer sie in seine Briefe, Gedichte und Gedanken eintaucht, desto mehr beginnt sie, sich mit ihm zu verbinden oder besser gesagt: mit einer Gestalt, die Rilke sein könnte. Dieser Mann, halb real, halb imaginär, wird zu ihrem Gegenüber, ihrem inneren Gesprächspartner. In ihren Dialogen verschwimmen die Grenzen zwischen Recherche und Suche nach sich selbst.
Parallel dazu erzählt die wunderbare Illustratorin Garanin Rilkes Lebensgeschichte auf einer historischen, der zweiten Ebene. Seine Kindheit in Prag, seine frühen literarischen Erfolge, seine Reisen nach Worpswede, dann nach Paris und seine rastlose Suche nach einem Ort, an dem Kunst und Leben sich vereinen lassen. Diese biografischen Passagen sind visuell klar von der Gegenwart in sepiafarbenen Tönen getrennt, die an verblasste Fotografien erinnern. Die Gegenwart der Journalistin dagegen farbig, lebendig.
Zwischen beiden Ebenen entspinnt sich ein Dialog über Zeit, Vergänglichkeit und den Sinn des künstlerischen Schaffens. Während Rilke in seinen Briefen und Gedichten immer wieder von der Einsamkeit des Schaffenden spricht, spürt Ellen der Einsamkeit des modernen Menschen nach, der in einer beschleunigten Welt Halt sucht. In der Begegnung mit Rilkes Gedanken entdeckt sie eine Form von Nähe, eine Freundschaft über Jahrhunderte hindurch. Die Zeichnerin erfindet eine männliche Figur auf der Gegenwarts-Ebene, aber nicht als realen Kollegen, Partner oder Zeitgenossen, sondern als projektierten Rilke, der ihr zur Seite steht und ihr Denken beeinflusst. Diese Begegnung ist das emotionale und konzeptionelle Zentrum des Buchs.
Garanin gelingt es, Rilkes poetische Sprache in Bilder zu übersetzen. Die Zeichnungen sind fein, oft skizzenhaft, mit viel Weißraum, der den Texten Raum zum Atmen lässt. Worte und Bilder treten in einen Dialog. Mein Freund Rilke ist damit weit mehr als eine Künstlerbiografie. Es ist eine meditative, zugleich humorvolle und nachdenkliche Annäherung an den Dichter. Garanin zeigt, dass Rilke kein Heiliger der Sprache war, sondern ein Mensch mit Zweifeln, Sehnsüchten. Die Graphic Novel lädt dazu ein, Rilke als Freund kennenzulernen.
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| Titel | Mein Freund Rilke |
|---|---|
| Autor | Melanie Garanin |
| ISBN | 978-3-551-75780-7 |
| Bibliographische Angaben | Gebunden, 192 S., Carlsen Verlag |