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Erschüt­terung von Percival Everett

23.00 

»280 Seiten verbringen wir im Kopf von Zach Wells, einem Akademiker, Geologen und Paläobiologen, einem Menschen, der etwas von Fossilien und alten Knochen und Höhlen versteht. Er, der Zyniker, blickt als Misanthrop auf die Welt und beobachtet sie ausgesprochen witzig und scharfsinnig. Zentrum seines Lebens ist die Liebe zu seiner Tochter Sarah. Wir folgen ihm gespannt, weil ihm etwas widerfährt, was ihn aus seiner hochmütigen Haltung der Welt und den Menschen gegenüber herauswirft.

 

Eine ungewöhnliche Unaufmerksamkeit der Tochter beim Schach, eine unvorsichtige Handhabe eines Küchenmessers und kurze Zeit später könnten wir erkennen (wenn wir nachschlagen), womit wir es schließlich zu tun bekommen. Die Tochter ist an einer unheilbaren Krankheit erkrankt: »eine autosomale Vererbung von Mutationen des Gens CLN 3«. Das steht einfach so da, ohne Satzzeichen, ohne Verbindung zu den Sätzen davor oder danach. Man könnte darüber hinweglesen und es der Erzählung überlassen, an den Punkt zu kommen, der es erklärt. Das geschieht erst viel später: Es handelt sich um die Krankheit, die Sarah, Zachs Tochter, treffen wird. Juvenile CLN3, Erblindung im Kindesalter, Demenz spätestens als Teenager, früher Tod. So ist die Lage - Heilung ausgeschlossen.

 

Percival Everett verzögert ganz bewusst diese Diagnose, die er zwar benennt, aber nur für den aufmerksamen Leser. Der Verdacht, etwas könne mit der geliebten Tochter nicht stimmen, ist für Zach Ausgangspunkt einer Erkundung in unterschiedliche Richtungen. Einer Erkundung der Gefühle von Vaterschaft, von Hilflosigkeit, der Selbstwahrnehmung, der Weltwahrnehmung, der Alltäglichkeit, der Ehe. Doch Zach, der Erzähler, bleibt nicht stehen, denn der Roman »Erschütterung« ist auch die Geschichte einer Verschiebung. Zach, der Sarah nicht helfen kann, findet in einer gebraucht gekauften Jacke einen Zettel, auf dem »Ayúdame« (Hilfe) steht. Er geht dem nach, und der Zettel mit dem spanischen Hilferuf führt ihn nach New Mexico und ins Grenzgebiet von Texas und Mexiko zu einer Gruppe entführter Frauen in einem Lagerhaus, bewacht von einer Gruppe Neonazis.

 

Eine ungewöhnliche Geschichte, die aus vielen Puzzles besteht, die den Roman so reizvoll machen. Einerseits ein so selbstironisch und philosophischer Erzähler, der das liebste auf der Welt verliert. Andererseits ein Handelnder, der in ein reales Geschehen eintaucht: ein Paläontologe, der auf eigene Faust eine Gruppe versklavter Frauen rettet, während er andererseits erkennen muss, dass er der Krankheit und dem Verschwinden seiner Tochter machtlos gegenüber steht. Will uns der Autor damit zeigen, dass der freie Wille dem Schicksal etwas entgegenzusetzen hat? Diese Frage stelle ich mir am Ende dieses berührenden und ehrlichen Romans, von dessen großartigen amerikanischen Autor ich noch niemals gehört hatte. Eine Entdeckung!«

 

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Kategorie: Schlagwort:

Barbara Ter-Nedden

Barbara Ter-Nedden hat ihre Liebe zu den Büchern schon frühzeitig entdeckt. Während ihres Germanistik- und Romanistikstudiums wurde diese Vorliebe zur Leidenschaft.

Zusätzliche Information

Titel

Erschütterung

Autor

Percival Everett

ISBN

978-3-446-27266-8

Bibliographische Angaben

Hardcover, 288 S., Hanser Verlag

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