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Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen von Alice Hasters

17.00 

»Eine der wichtigsten aktuellen Veröffentlichungen aus dem deutschsprachigen Sachbuchgenre ist wohl Alice Hasters sehr persönliches und gesellschaftlich höchst relevantes Debüt über Alltagsrassismus in Deutschland.

Hasters hat als Journalistin für die Tagesschau und den RBB gearbeitet, aufgewachsen ist sie in Köln.

Es ist ein deutliches Zeichen, dass es der Autorin notwendig zu sein scheint, selbst die grundlegensten Dinge zu erläutern. Etwa, dass es seltsam und recht übergriffig ist Unbekannten in die Haare zu fassen oder, welche Gründe es dafür gibt als Gesprächseinstieg nicht zur Frage: Aber, wo kommst du wirklich her? zu greifen.

Gerade durch diese Entscheidung holt Hasters aber selbst diejenigen ab, die sich noch nie mit Alltagsrassismus beschäftigt haben. Hier liegt eine große Leistung der Autorin, für die ich größten Respekt empfinde. Denn im Verlauf ihrer Schilderungen sieht man, wie sie sich selbst überwindet, wenn sie das R-Wort im Alltag ansprechen muss.

Ganz anschaulich wird das bereits im Vorwort vermittelt: Wir befinden uns in einer Situation in Köln-Nippes – auf dem Platz, auf welchem regelmäßig der Nachbarschafts-Flohmarkt stattfindet. Hier wird die Autorin an einem freien Tag am Kaffeebüdchen mit einer Trinkgelddose konfrontiert, die ein unangebrachtes Bild eines Schwarzen vermittelt. Was tut man? An einem entspannten Tag, an dem man eigentlich nur einen Kaffee mit einer Freundin trinken und die sympathische Kaffebüdchenbesitzerin, die die Trinkgelddose recht belustigend findet, nicht den Tag „vermiesen“ möchte, in dieser Situation also, soll man dort das R-Wort anbringen?

Die besonnene Frage an die Kaffeebüdchenbesitzerin: Aber ist das nicht ein wenig rassistisch? führt, wie von Hasters befürchtet, zu schlechter Laune: Die Besitzerin fühlt sich persönlich angegriffen, vermeidet so jedes konstruktive Gespräch, welches eigentlich zum Verständnis beider Seiten führen könnte.

Man steht mitten vor einer Front der Abweisung – jener Problematik, die für mich zu einer der wichtigsten Erkundungen des Buches zählt: Warum scheint es so schwer gemeinsam über Rassismus zu sprechen? Diese Erkundung führt auch dazu, dass Hasters fast täglich zu einem Vortrag eingeladen wird.

Sie schafft es einen gelungenen Bogen zwischen ihren persönlichen Erlebnissen zu gesellschaftlichen Themen zu spannen, wie der kulturellen Aneignung oder das Scheitern der deutschen Bildungsinstitutionen über Deutschlands kolonialistische Vergangenheit zu sprechen.

Hasters nimmt den Leser mit auf dem langjährigen Weg ihrer eigenen Entwicklung: zwischen Kenntnissbildung, Anpassung und dem Versuch niemanden zur Last zu fallen, bis hin zur Bildung der eigenen starken Stimme. Hasters, die man eher als introvertierte und nachdenkliche Person kennenlernt, macht das auf eine geduldige und empathische Weise. Sie zeigt bewusst nur einen Blick von vielen, aber eben auch, dass eine Änderung des gesellschaftlichen Umgangs nur durch Kommunikation stattfinden kann.

Jeder wird sich in den Schilderungen selbst wiedererkennen; auf der einen, wie auf der anderen Seite. Dadurch wird das Lesen zu einer Richtschnur, um das eigene, alltagsrassistische Verhalten zu überwinden oder vorallem: um eine offene Gesprächskultur zu fördern, in der das R-Wort zum Nachdenken statt zur Ablehnung führt.«

 

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Kategorie: Schlagwort:

Vanessa

... liest am liebsten Sachbücher und Gesellschaftsromane. Insbesondere, wenn sie darüber hinaus mit den schönsten Mitteln des Buchhandwerks hergestellt wurden.

Zusätzliche Information

Titel

Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen. Aber wissen sollten.

Autor

Alice Hasters

ISBN

978-3-446-26425-0

Bibliographische Angaben

Taschenbuch, 208 S., hanserblau Verlag

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